www.Gutshaus-Protzen.de Gutshaus Protzen: Dorf-, Torf- und Schulmuseum Stand: 04.04.2014/19:15 I.  Hintergrund Das märkisch- brandenburgische Dorf Protzen, erstmals 1324 erwähnt, geht auf eine slawische Ansiedlung am nördliche Rand des Rhinluchs zurück. Seine im Kern romanische, wehrhafte Kirche hat jahrhundertelang wechselvolle Zeiten erlebt. Schon früh mit der Grafschaft Ruppin an die Hohenzollern gefallen, wurde es im 30jährigen Krieg fast völlig zerstört und erhielt später nach einem großen Brand 1823 bzw.1831 seine heutige Gestalt  als langes Straßendorf. Um 1750 wurde das bestehende, schön proportionierte, aber relativ einfache Gutshaus errichtet, wahrscheinlich auf dem Keller seines Vorgängers. Seine gelegentliche Bezeichnung als 'Schloss' rührt daher, dass der Gutshof nicht dahinter, sondern auf der anderen Staßenseite lag. Von der rückseitigen Terrasse führte vielmehr eine Allee großer Linden hinab in den Gutspark, der vom königlichen Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné im englischen Landschaftsstil gestaltet war (Näheres: Das Gutshaus-Gelände). Über der straßenseitigen Haupteingangstür befand sich das Doppelwappen der Familien v. Kleist/ von Lepel. Im Besitz der Familie von Kleist blieb das Gutshaus bis ins 19. Jahrhundert und wurde, gelegen an der am nördlichen Rand des Rhinluchs enlang führenden Landstraße, Zeuge wichtiger historischer Ereignisse. Eines davon war der tragische Tod des Prinzen Friedrich Heinrich Karl von Preußen, des designierten Nachfolgers König Friedrichs des Großen. Er verstarb im Jahre 1767 in dem seitdem so genannten 'Prinzenzimmer' (Näheres: Prinz Heinrich). In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der 'Gründerzeit', nahm Protzen großen Aufschwung durch den Torfstich im Luch. Der Torf wurde in riesigen Mengen über Gräben und Kanäle nach Berlin gebracht. Die wenn auch schwere Arbeit des Torfstichs brachte bis zum ersten Weltkrieg Geld in das arme Bauerndorf, das bis dahin im Wesentlichen von Ackerbau und Viehzucht gelebt hatte. Die Familie des in Neuruppin geborenen Berliner Baumeisters Karl Friedrich Schinkel hatte schon seit dem 17. Jahrhundert eine Beziehung zu Protzen. Die letzte direkte Nachkommin, Hertha Schinkel, hatte bis 1945 ein Zimmer im Gutshaus (Näheres: Schinkel und Protzen). 1945 wurde das Haus mit dem Gut enteignet und bis 1996 als Schulgebäude genutzt. Wahrscheinlich entging es dadurch dem Abriss und fiel an die Gemeinde Protzen, die seit 2004 Ortsteil der Gemeinde Fehrbellin ist. Sie unterstützt die Idee Protzener Bürger, die sich im INSEL – Verein zusammenschlossen, um in der oberen Etage des alten Gutsauses ein privates Museum einzurichten, das sich der Dorf- Geschichte (Schwerpunkt: Bäuerliches Leben um 1900), der Torf- Geschichte (Arbeit im Luch) und schließlich der Schul- Geschichte des Dorfes (Schule vor und während der Phase des Sozialismus) annimmt. Dies geschieht durch die Gestaltung von Räumen und die anschauliche Präsentation zeitgenössischer Gegenstände und Werkzeuge. In einer Außenstelle des privaten Museums wird die Geschichte der Feuerwehr dokumentiert. II.  Gründung des Dorf- Torf- und Schulmuseums im Gutshaus Protzen 1997 gründeten engagierte Bürger den  INSEL e.V. Protzen Initiative Nachbarschafts-, Kultur- und Sozialarbeit, Einrichtung auf dem Lande der im August 1999 in Räumen im 1. OG des Gutshauses das Dorf-, Torf- und Schulmuseum einrichtete. Das Museum war zunächst in den alten Klassenräumen untergebracht, erst im Erdgeschoss, ab 2001 im Obergeschoss. Im Jahre 2003 begannen Grundinstandsetzung und Umbau des Gutshauses als Gemeindezentrum. Nach grundlegender, denkmalschutzgerechter Restaurierung des Gebäudes wurde das Museum im September 2004 wieder eröffnet. Die Besucherzahlen stiegen, frühere Schüler, aber auch aktive Schulklassen aus der Umgebung, Pilger auf dem Weg nach Wilsnack und Privatbesucher aus Brandenburg, Berlin und darüber hinaus informierten sich über die Geschichte von Dorf und Gut und die Lebensumstände der Menschen auf dem Lande. Der große Rückschlag kam 2009. Das Haus wurde wegen der Gefahr durch herabfallenden, unsachgemäß eingebauten Deckenputz für die Öffentlichkeit gesperrt. Wegen langwieriger, schwieriger juristischer Auseinandersetzungen konnte es erst am nach  1.629 Tagen, am 14.09.2013 freigegeben und als GFZ wiedereröffnet werden. Neben vielen soziokulturellen Aktivitäten (Dorffeste zu verschiedenen Anlässen, Bildungsreisen, andere Veranstaltungen) erweist sich der ehrenamtliche Auf- und Ausbau und der Betrieb des Museums zunehmend als Hauptarbeit der Mitglieder. Dies besonders, nachdem der Verein im Sinne der Traditionspflege mit historischen Objekten (z.B. Torfkahnnachbau, Schulbänke) und in Originalkostümen auch an regionalen Veranstaltungen teilnimmt und dort z.B. Wohn- und Handwerkskultur, Butterherstellung und alte Getreidearten demonstriert. Der gemeinnützige Inselverein freut sich über jeden geschichtsinteressierten Mitbürger, der sein Wissen und Können, etwas Mitarbeit oder finanziellen Beitrag einbringt oder einen passenden Gegenstand aus der Zeit seiner Großeltern oder Schulzeit dem Museum dauerhaft oder als Leihgabe überlässt. Nach der Rekonstruktion des Hauses verfügt das Museum jetzt über alle Räume des Obergeschosses. Zur Zeit werden die erweiterten Räume neu hergerichtet und die Exponate aufgestellt. Am 23. März 2014 öffnete das Dorf-, Torf- und Schulmuseum in Protzen neu aufgestellt wieder seine Tore. Herzlich willkommen! Hier einige Pressestimmen: “Das Haus der tausend Kleinigkeiten”: Bericht in der MOZ vom 03.03.2014 Zeitungsartikel vom 24.03.2014 (zum Vergrößern bitte Anklicken) oben: Ruppiner Anzeiger (Juliane Fleisch) rechts: Märkische Allgemeine III.  Die Räume des Dorf-, Torf- und Schulmuseums Der Besucher betritt das Gutshaus durch den straßenseitigen Eingang und gelangt durch das Entrè ins Treppenhaus und über die restaurierte schöne alte Treppe aus der Barockzeit in den Vorsaal des Museums. Hier beginnt der Rundgang durch die neun Räume des Museums, die jeweils in sich je nach Ausstellungszweck noch weiter unterteilt sind.  1. Empfang Feuerwehr Sonderaustellungen (z.B. regionale Maler) Sitz- und Leseecke  2. rechts:Ländliches Wohnen um 1900 links: Erinnerung an den alten Kindergarten Durchgang: Schautafeln und Vitrinen zur Geschichte von Dorf und Gut Protzen  3. „Von der Wiese bis zur Butter“: Milchwirtschaft  4. Alte Schulklasse (bis 1945)  5. Schule im Sozialismus (nach 1945 bis 1990) und danach  6. Jagd und Vogelwelt  7. („Prinzenzimmer“): Alte dörfliche Gewerke: Tischler/ Schmied/ Schneider/ Schuster/ Schlachter/ Friseur/ Elektriker  8. Wäschezimmer  9. („Schinkelzimmer“): Geschichte Prinz Heinrich Torfstich Versorgung: Vom Kolonialwarengeschäft über Kommunalgeschäft und HO zum Einzelhandel Damit ist der Museumsrundgang beendet und man kann gegenüber im Empfang noch Fragen stellen oder einen Kaffee trinken. IV.  Exponate des Dorf-, Torf- und Schulmuseums Dieses Kapitel ist noch im Aufbau. V. Links Das Dorf-, Torf- und Schulmuseum im Gutshaus Protzen ist ein privates Museum des INSEL-Vereins Protzen. Es wurde am 23. März 2014 nach dreieinhalb Jahren wieder eröffnet.